Elektro vs. Diesel - Verbrauchskosten & Emissionen
Der Elektroantrieb an Bord meiner Segelyacht WINDSONG hat sich aus technischer Sicht bewährt. Leistungsstark, unkompliziert, störungsfrei und mit einer praktikablen Reichweite. Mehr Infos dazu hier.
In Sachen Komfort ist der Unterschied zum alten Diesel noch größer. Kein Gestank, keine Öle, keine Abgase, kein Lärm. Dafür Strom in Hülle und Fülle: 12 V, 48 V und 230 V, auch unterwegs. Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.


Wie sieht es aber mit den Kosten aus? Ist das bloß ein teures Spielzeug für Reiche? Rechnet sich die Umrüstung?

Die Anschaffungskosten eines Elektromotors, samt Batterie und Ladegerät sind mit denen eines Austausch-Dieselmotors vergleichbar. Der Einbau erfordert in beiden Fällen in etwa genauso viel handwerkliches Geschick und Zeit. Eine detaillierte Kostenrechnung der Umrüstung habe ich hier dargestellt.
Ich habe mich jetzt etwas näher mit den Verbrauchskosten befasst und das Ergebnis bestätigte meine Vermutung: der Elektroantrieb ist im Verbrauch günstiger. Daß die anrechenbaren CO2-Emissionen nahezu Null sind, ist keine Überraschung. Wieviel CO2 allerdings ein Diesel in einem Jahr ausstößt hat mich aber doch überrascht.
Anbei die Zahlen, Daten, Fakten dazu. Ich habe die Anzahl Nachkommastellen etwas gekürzt geschrieben, das erklärt den einen oder anderen Rundungsfehler in der Darstellung.

Ich habe die Reichweite des Elektroantriebs an Bord meines Segelbootes WINDSONG vor kurzem ausgiebig getestet und arbeite bei dieser Fragestellung mit den Testergebnissen weiter.

Vergleichsbasis ist eine Fahrt von durchschnittlich 4,7 Knoten und eine Distanz von 100 Seemeilen, mit einer Fahrzeit von 21,4 Std. für beide Antriebe im direkten Vergleich.
Der Elektromotor läuft in diesem Fall mit einer Leistung von 2 kW (2.000 Watt). Nach 21,4 Std. Fahrzeit hat er 42,8 kWh Strom verbraucht. Ich habe fairerweise einen Strompreis von 0,75 EUR / kWh mit verbrauchsabhängiger Abrechnung am Landstromanschluß des Steges angenommen (wie in meinem Heimathafen Marina Wendtorf). Ich zahle für die 42,8 kWh Strom somit 32,11 EUR.
Mein Dieselmotor (Volvo Penta 2002) verbrauchte im Schnitt 2 Liter pro Stunde. Nach 21,4 Std. Fahrzeit also 42,8 Liter. Beim aktuellen Preis von 2,- EUR / Liter sind es 85,63 EUR Verbrauchskosten auf 100 Seemeilen.
Der Dieselantrieb kostet also das 2,7 - fache (85,63 zu 32,11) im Verbrauch! Das sind bei 100 Seemeilen 53,52 EUR Unterschied. Bei einer angenommenen Fahrleistung von 500 Seemeilen unter Motor pro Saison spart der Elektroantrieb insgesamt 268 EUR im Vergleich zum Diesel.

Der Vergleich der CO2-Emissionen fällt sogar noch deutlich unterschiedlicher aus.
Die erneuerbaren Energien haben aktuell einen Anteil von 91% am Strommix in Schleswig-Holstein. Die übrigen 9% bedeuten bei 42,8 kWh Stromverbrauch eine fossil erzeugte Strommenge (in Gaskraftwerken) von 3,9 kWh. Ein modernes Gaskraftwerk setzt 400 Gramm CO2 bei der Erzeugung von 1 kWh Strom frei. Der Elektroantrieb setzt also mit dem fossilen Stromanteil von 3,9 kWh nur 1,5 Kg. CO2 nach 100 Seemeilen frei. Tendenz fallend, da der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter voranschreitet.

Dahingegen entstehen bei der Verbrennung von 1 Liter Dieselkraftstoff in einem Bootsmotor 2,6 Kg. CO2. Auf den Verbrauch von 42,8 Litern für 100 Seemeilen gerechnet stößt der Dieselantrieb somit 111 Kg. CO2 aus.
Der Dieselmotor setzt also die 72-fache (!!) Menge des klimaschädlichen CO2 frei (111 zu 1,5 Kg). Das macht bei 100 Seemeilen 110 Kg. aus.
Um diese Menge prägnant darzustellen, habe ich sie Kubikmeter umgerechnet.
Demnach erzeugt der Elektroantrieb nach 100 Seemeilen 0,76 Kubikmeter CO2. Das würde einen typischen IBC-Behälter für die Gartenlaube zu 76% füllen.
Im Vergleich dazu setzt der Dieselantrieb nach 100 Seemeilen ganze 56 Kubikmeter CO2 frei. Das würde einen mittelgroßen Stadtbus komplett füllen!! Bei 500 Seemeilen pro Saison wären es schon 5 Stadtbusse!!

Ein Elektroantrieb an Bord eines Segelbootes ist somit nicht nur technisch zuverlässig und komfortabel, er spart sogar Verbrauchskosten und besonders die klimaschädlichen CO2-Emissionen im Betrieb.
Elektroantriebe leisten einen sinnvollen Beitrag zum Schutz der Natur, die wir Segler so gerne mit unseren Booten bereisen.

