Elektrische Pantry

Ich habe gerade das nächste Projekt im Fahrplan „Yachtstrom – Null Emissionen“ gestartet.

Da ich nun auch unterwegs Strom in Hülle und Fülle an Bord habe, habe ich jetzt den vollständigen Umbau der Pantry von Gas- auf Elektrogeräte in Angriff genommen.

Die Ausgangssituation ist wie bei den meisten Segelyachten eine Gasanlage, bestehend aus einer Gasflaschen-Backskiste, Gasleitungen in die Pantry, und ein kardanisch aufgehängtes Gasherd- und Backofen Modul.

Das geht auch besser, komfortabler und umweltfreundlicher.

Ich werde dieses Gasherd- und Backofen Modul durch ein neues elektrisches Pantry-Modul ersetzen.

Die klassische Rumpfform von Segelbooten bestimmt üblicherweise die Tiefe des Herd- und Backofen Moduls, damit es an der rückseitigen Unterkante nicht mit der Bordwand kollidiert. Da die Bordwand nach oben hin breiter wird und die Rückseite des Moduls gerade ist, entsteht zwischen der rückseitigen Oberkante und der Bordwand ein großer leerer Raum. Aufgrund der kardanischen Bewegung des Moduls kann dieser Raum nicht ausgebaut werden und entwickelt sich im Laufe der Jahre zu einer schwer zu reinigenden Falle für Staub, Fett und Küchenabfälle.

Die neue Pantry wird dieses Problem nun lösen.

Der untere Teil meines Pantry-Moduls wird zwar ebenfalls die geringe Tiefe bis zur Bordwand haben und aus einem Schrank bestehen, der eine Heißluftfriteuse, einen Wasserkocher und diverse andere elektrische Küchengeräte aufnimmt.

Der ober Teil wird aber die verfügbare Tiefe bis zur Bordwand voll ausnutzen. Statt der ehemaligen Staubfalle werde ich als Herzstück des Pantry-Moduls ein 520 x 450 mm großes Induktionskochfeld mit 3 Kochstellen unterbringen.

Wie auch beim Elektroantrieb, habe ich mich bewusst dazu entschieden, den Umbau nicht selber zu basteln, sondern mit einem befreundeten Tischler & Bootsbauer zusammen zu arbeiten. Wir konstruieren dabei eine maßgeschneiderte individuelle Lösung, bei optimaler Nutzung des vorhandenen Bauraums und werden das Modul qualitativ hochwertig fertigen. Ich möchte, dass die neue Pantry aus hochwertigen Bootsbau-Werkstoffen besteht, perfekt passt, handwerklich solide gefertigt ist, optisch ansprechend ist und lange hält. Auch das gehört in meiner Sicht zu Nachhaltigkeit.

Wir haben zunächst aus meinen Vorgaben eine Skizze für die erste räumliche Vorstellung gezeichnet.

Die anschließenden Detail-Diskussionen ergaben dann eine genaue Zeichnung als Grundlage für den Zuschnitt und die spätere Montage.

Das gesamte Modul werde ich mit dem Rest der Pantry bündig anordnen, und ähnliche Materialien verwenden. Damit wird es sich optisch ansprechend in den vorhandenen Ausbau integrieren.

Der Tischler hat auf Grundlage der freigegebenen Zeichnungen einen Prototypen erstellt. Dieser dient in erster Linie dazu, die geometrische Passung des Moduls in den vorhandenen Bauraum zu perfektionieren. Auf einem Boot ergeben sich 2 besondere Herausforderungen: (1) die Rückseite des vorhandenen Bauraums ist aufgrund der Rundung der Rumpfform nicht leicht zu vermessen und (2) die kardanische Aufhängung muß genau oberhalb des Gewichts-Schwerpunkts liegen, der wiederum nur sehr schwer aus den Zeichnungen bestimmt werden kann.

Statt das fertige Modul wiederholt anzupassen, haben wir uns dazu entschieden, erstmal einen Prototypen aus billigen Spanplatten zu bauen. Diesen können wir beliebig oft anpassen, ohne das fertige Modul zu beschädigen.

Diese vorsichtige Herangehensweise hat sich als richtig erwiesen. Die erste Version des Prototypen hat die Sorgen bzgl. der 2 o.g. Punkte gleich als berechtigt bestätigt. Der Prototyp kollidierte mit dem Rumpf und mit dem Rest der Pantry.

Ein Glück, dass wir die jetzt erforderlichen Anpassungen in den billigen Spanplatten des Prototypen und nicht im fertigen Modul vornehmen mussten.

Am 04. September war es dann soweit, der angepasste Prototyp wurde angeliefert!

Der passte perfekt in den vorhandenen Bauraum!

Allerdings passte die alte Position der kardanischen Aufhängung des alten Gasherdes nicht mehr zum neuen elektrischen Modul, weil dieser den Gewichts-Schwerpunkt an einer anderen Stelle hat. Wir haben die Position der Aufhängung 5 (!) mal versetzen müssen, bis das Modul waagerecht stand. Damit wir das Modul nicht 5 mal einsetzen und herausnehmen müssen, haben wir uns mit zwei einfachen Bändseln beholfen, um den Gewichts-Schwerpunkt zu finden.

Anbei ein kurzes Video zur Vorstellung des Prototypen

Der Prototyp sitzt, passt, wackelt und hat Luft!

Das endgültige Pantry-Modul ist gerade im Bau und wir wissen jetzt schon, dass es passen wird! Die Vorfreude steigt.

Stay tuned.