Ein-Leinen-Reff

Ich segele viel und gerne einhand und möchte jederzeit in der Lage sein, das Boot allein zu bedienen. Dabei will ich so viel wie möglich aus dem sicheren Cockpit heraus erledigen.

Deshalb habe ich mir dieses 1-Leinen-Reffsystem für beide Reffstufen meines Großsegels gebaut.

Modernere Großbäume haben innenliegende Schlitten, die ein 1-Leinen-Reffsystem vereinfachen. Dabei nimmt die Reffleine des Vorlieks durch den Schlitten auch die Reffleine des Achterlieks (Schmeerreep) mit.

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Mein etwas älterer Großbaum hat diese Schlitten nicht. Ich wollte trotzdem nicht auf ein 1-Leinen-Reffsystem verzichten.

Deshalb musste ich die 1 Reffleine ein Paar mal umlenken, um damit sowohl das Vorliek als auch das Achterliek gleichzeitig dichtholen zu können. Der springende Punkt dabei ist eine extra Schleife zum Mastfuss hin und zurück, auf dem Weg der Reffleine von der achterlichen zur vorderen Refföse.

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Nachdem die Leinenführung so theoretisch fertig war, funktionierte das Reffen in der Praxis nicht, weil die vielen einfachen Umlenkungen (auch direkt durch die Reffösen) zu viel Reibungswiderstand boten und das Achterliek deshalb nicht ausreichend Zug bekam. Als ich dann versuchte, die Reffleine soweit durch die Arbeitswinsch zu würgen, bis das Achterliek dicht genug ist, riß ich den ersten Mastrutscher aus dem Segel, bevor ich bemerkte, dass die Refföse des Vorlieks schon weit unterm Baum stand.

Macht nichts.

Wenn Joe etwas bastelt, dann ist es immer komplizierter und es dauert immer länger, als geplant.

Joe beißt sich aber durch.

Auch hier.

Anbei das Ergebnis, Punkt für Punkt beschrieben, entlang der Reffleinenführung, vom festen Ende am Baum achtern bis ins Cockpit.

1 - Das feste Ende der Reffleine mit einem Palstek um den Baum herum binden. Eine horizontale Arretierung hält die Leine auf der richtigen Position.

2 - Die Leine durch einen Block an der Refföse des Achterlieks umlenken

3 - Den Block habe ich mit einem Offroad Tauwerkschäkel aus Dyneema (aus dem Hause ropetec) an die Refföse befestigt. Der Block kann sich dadurch frei drehen, steht immer hinter dem Achterliek und das Tauwerk des Schäkels wird von der Öse nicht kaputtgescheuert.

4 - Die Leine durch die hintere Umlenkrolle an der Baumnock innerhalb des Baumes nach vorn zum Lümmelbeschlag führen.

5 - Durch die Umlenkrolle am Lümmelbeschlag runter zum Mastfuss.

6 - Durch den ersten Block am Mastfuss wieder hoch zur Refföse am Vorliek

7 - Die Leine hier wieder durch einen Block führen. Der ist ebenfalls mit einem Tauwerkschäkel durch die Öse mit einem Ring auf der gegenüberliegenden Seite verbunden. Von hier wieder runter zum Mastfuss.

8 - Wer das Risiko eines abgerissenen Mastrutschers absolut vermeiden möchte kann die Leine auf dem Weg nach unten durch einen „Omega“-Schäkel am Lümmelbeschlag führen. Der Block passt da nicht durch, deshalb ist das die tiefste Position der vorderen Refföse.
Allerdings kann rohe Kraft an der Arbeitswinsch auch den Block zerstören und ich habe mich statt dessen schnell daran gewöhnt, die richtige vertikale Position des Vorlieks zu erkennen. Die überschüssigen Tuchbahnen verhindern zwar die direkte Sicht auf die Refföse aus dem Cockpit heraus. Man kann aber die aufgenähte Tuchverstärkung oberhalb der Refföse auch aus dem Cockpit heraus sehr gut sehen. Zusätzlich könnte man auch noch die Reffleine vor dem Fallenstopper an der richtigen Position markieren.

9 - Am Mastfuss durch den zweiten Block und dann über die Umlenkrollen ins Cockpit.
Ich habe zuerst versucht, die beiden Einfach-Blöcke am Mastfuß durch einen Doppel-Block zu ersetzen. Sowohl beim Violinen-Block als auch beim Doppel-Block mit nebeneinander stehenden Rollen kommen auf diesen Block immer Kräfte aus mindestens 3 unterschiedlichen Richtungen, davon mindestens 1 seitlich, die den Block schwergängig machen und früher oder später zerstören. Statt dessen habe ich deshalb zwei Einfach-Blöcke gewählt. Hatte gerade noch Platz für zwei entsprechende Schäkel am Mastfuss.

10 - Letzte Station Fallenstopper im Cockpit.

Für das Reffen hat sich diese Prozedur bewährt:

  • Großfall fieren und die aufgenähten Verstärkungen am Vorliek beim Fallen beobachten, bis die Refföse über dem Baum steht.
  • Reffleine handfest anziehen.
  • Großfall durchsetzen.
  • Reffleine durchsetzen. Spätestens jetzt ist auch am Achterliek genug Zug auf der Leine.

Für Reff 2 habe ich eine symmetrische Leinenführung auf der gegenüberliegenden Seite wiederholt. Die Blöcke für die Stufe 1 befinden sich an der SB-Seite, wo auch die Umlenkung für das Großfall ins Cockpit läuft. Reffleine und Großfall bediene ich wechselweise mit der gleichen SB-Arbeitswinsch.

Für die Stufe 2 habe ich die Reffleine an die BB-Seite des Mastes gelegt und ins Cockpit geführt. Somit kann ich beim kritischeren Reff 2 das Großfall an SB und die Reffleine an BB gleichzeitig durch eigene Arbeitswinschen bedienen. Das beschleunigt und vereinfacht den Reff-Vorgang zusätzlich.

Beim Bergen des Segels aus der ungerefften Position heraus bleiben sowohl achtern als auch vorn lose Reffleinen über. Ich stopfe diese einfach zwischen die Segelbahnen in das Lazybag, damit sie nicht aufs Deck fallen. Ich hole das Lose nicht aus der Leine, indem ich sie ins Cockpit ziehe. Denn dann müsste ich die gleiche Länge beim nächsten Segel setzen wieder in die andere Richtung durchziehen. Diesen zusätzlichen Widerstand kann ich beim Segel setzen nicht gebrauchen.

Das System klappt ganz gut. Mit ein bisschen Übung ist damit ein Reff in 1 Minute erledigt, ohne das Cockpit zu verlassen.