Antifouling - Wie groß ist das Problem?

Den meisten Seglern ist bekannt, dass der herkömmliche Antifouling-Anstrich Biozide (Giftstoffe) enthält. Dazu zählen Kupfer, Zink und weitere chemische Mittel, je nach Art und Typ des Antifoulings. Neben der erwünschten Wirkung, den Bewuchs von Algen, Pocken und Muscheln vom Unterwasserschiff fernzuhalten, vergiften diese Biozide als unerwünschte Nebenwirkung die maritime Umwelt.

Es gibt allerdings gute Alternativen, die den Bewuchs genauso wirksam verhindern, aber gänzlich auf Biozide verzichten. Ich habe die aus meiner Sicht beste Alternative in Form von Antifoulingfolien (Fouling release film) an meiner Segelyacht WINDSONG eingesetzt, bin damit sehr zufrieden und freue mich, die Wirksamkeit auch in der Praxis bestätigt zu sehen.

Antifoulingfolien für die WINDSONG.
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Doch wie groß ist das Problem von biozidhaltigen Anstrichen eigentlich?

Reden wir hier von einer massiven Belastung der Meere oder von einem „Sturm im Wasserglas“?

Aufschluss darüber gibt diese internationale Studie:

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Die Kurzfassung

Die Studie wurde 2020 von einem internationalen Team von Wissenschaftlern durchgeführt und im Fachjournal Ocean Science veröffentlicht.

Das Team hat die Belastung der Ostsee durch Emissionen und das Antifouling von Sportbooten, mit den zwei wichtigsten Elementen Kupfer und Zink modelliert.

Zum Hintergrund: die Ostsee ist aufgrund des geringen Wasseraustauschs und der geringen Biodiversität besonders empfindlich auf Umweltverschmutzung. Die Lebensräume der Ostsee sind hinsichtlich der Gefahrstoffe im schlechten Umweltzustand. Eine wesentliche Ursache sind die Gefahrstoffe aus Antifouling-Anstrichen, insbesondere Kupfer und Zink. Diese beiden Schwermetalle reichern sich im Meer und in den Sedimenten an und sind für die Lebewesen hochgiftig.

Vor diesem Hintergrund wurde der Bestand, die Bewegungsprofile, die Motorisierung und das eingesetzte Antifouling von verschiedenen Sportboot-Typen in den Anreinerstaaten entlang der gesamten Ostseeküste in dieser Studie systematisch analysiert.

Ich beschränke mich hier nur auf die Kupfer- und Zinkbelastung aus Antifouling-anstrichen.

Die Wissenschaftler ermittelten im Rahmen der Studie, dass Sportboote jährlich insgesamt 57 To. Kufper und 49 To. Zink durch ihr Antifouling freisetzen.

In Deutschland gelangen jährlich mit 10,3 To. Kupfer 18% der gesamten Einträge in die Ostsee, obwohl die deutschen Marinas mit 20.000 Sportbooten nur 8% der insgesamt 250.000 Sportboote der Ostsee beherbergen.

Beim Zink ist der Eintrag der deutschen Sportboote ebenfalls überdurchschnittlich. Wir bringen mit 6,3 To. Zink 12,9% der Gesamtmenge in die Ostsee, obwohl wir nur 8% der Boote fahren.

Schweden beherbergt 46% der Sportboote, leitet aber nur 28% der Kupfermenge und 38% der Zinkmenge in die Ostsee.

Das liegt zum einen an dem vergleichsweise höheren Salzgehalt der westlichen Ostsee. An der Ostküste Schwedens hat die Ostsee fast schon Süßwasser-Charakter. Zum anderen hat Schweden aber auch die strengste Regulierung von biozidhaltigen Antifoulings.

So ist in Schweden der Einsatz von biozidhaltigen Antifouling-Anstrichen entlang der Nord-Ost Küste (Bothnischer Meerbusen) komplett verboten. An der Süd-Ost Küste (Öregrund bis Trelleborg) sind nur Antifoulings mit einem geringen Kupfergehalt von 5% - 8% erlaubt. Nur an der Westküste (Trelleborg bis Skagerrak) werden Kupfergehalte von bis zu 40%, ähnlich wie in Deutschland, erlaubt.

Die Rolle der Sportboote ist im Vergleich zur Berufsschifffahrt durchaus wesentlich, also mehr als nur die viel geglaubte „Bagatellgrenze“.

So verursacht das Antifouling von Sportbooten im Spitzenmonat Juli (mit den meisten Sportbootbewegungen) 44% der Kupfereinträge der Berufsschifffahrt. Übers Jahr gerechnet sind es nur 19%, da die Sportboote außerhalb der Sommersaison kaum fahren, während die Berufsschifffahrt „durchfährt“. Beim Zink sieht es schlimmer aus: Sportboote verursachen im Juli 189% (also fast doppelt so viel) im Vergleich zu Berufsschifffahrt und im Jahresdurchschnitt 81% (also fast genauso viel).

Biozidhaltige Antifouling-Anstriche auf Sportbooten sind also für die Ostsee ein echtes Problem.

Das gilt sowohl für die absolute Menge der Kupfer- und Zinkeinträge, als auch im Vergleich zu der Berufsschifffahrt.

Die Umstellung auf biozidfreie Antifoulings ist somit keine sinnlose „Liebhaberei“, sondern ein wichtiger Beitrag zum Schutz der sensiblen Umwelt in unseren Meeren, die wir als Segler so gerne bereisen und bewundern.