Antifoulingfolien - Test der Wirksamkeit

Darf ich sie vorstellen?

Das ist Winnie, eine Garnele. Ist sie nicht putzig? Sie wohnt jetzt unter meinem Segelboot WINDSONG in Marina Wendtorf. In einer WG mit weiteren Garnelen ihrer Art. Sie freuen sich auf täglich frische Larven von Seepocken und genießen das saubere, Biozid-freie Wasser unter meinem Boot.

Ich hatte nämlich das Unterwasserschiff der WINDSONG im vergangenen Winter mit umweltfreundlichen Antifoulingfolien von Jan Jelinek (Inhaber von www.Antifoulingfolien.de) beklebt. Dieser sogenannte Fouling Release Film hat nach außen hin eine sehr glatte, Teflon-ähnliche Oberfläche. Dadurch hindern die Folien den Bewuchs (Algen, Seepocken, Muscheln) daran, sich an das Unterwasserschiff festzukleben. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Antifouling-Anstrichen wirken die Antifoulingfolien ohne Biozide. Jan garantiert 10 Jahre Haltbarkeit.

Hört sich gut an.

Wir haben die neue Folie deshalb mit einer standesgemäßen Champagner-Dusche gefeiert.

Doch funktioniert der Effekt wirksam und zuverlässig in der Praxis? Siedelt sich Bewuchs am Unterwasserschiff an? Bleibt der Bewuchs haften? Oder wird er vom vorbeiströmenden Wasser beim Segeln weggespült?

Wissenschaftliche Studien bestätigen die Wirksamkeit. Testplatten zeigen eindrucksvoll, dass die Folien das Anhaften von Bewuchs verhindern. Etliche Yachten fahren bereits mit den Antifoulingfolien, die erste Applikation von Jan ist jetzt in der neunten Saison.

Sollte also alles klappen. Glauben ist gut. Ich wollte es aber wissen, um die letzten Zweifel auszuräumen.

Deshalb mache ich eine 3-teilige Serie von Aufnahmen des Unterwasserschiffs mit der GoPro, um die Entwicklung vom Bewuchs zu dokumentieren:

  • 14. Mai, 2026: Zustand nach 4Tagen seit der letzten Schiffsbewegung und insgesamt 5 Wochen im Wasser nach dem Winterlager. Das Boot wurde in dieser Zeit 8 mal bewegt, legte ca. 60 Seemeilen zurück und erreichte ein Paar mal 6 Kn. Fahrt durchs Wasser.
  • 16. Mai, 2026: Zustand nach einer Stunde Rock & Roll unter Segeln bei 6-7 Bft. Wind und 6-7 Kn. FdW
  • 31. Mai, 2026: Zustand nach einem einwöchigen Segeltörn in der Dänischen Südsee mit insgesamt 236 Seemeilen.

Ich habe bisher keine Reinigung des Unterwasserschiffs vorgenommen, um die Ergebnisse nicht dadurch zu beeinflussen.

Anbei die Auswertung der Aufnahmen.

14.  Mai, 2026, vor dem Rock & Roll.

Das Unterwasserschiff ist weitgehend frei von Bewuchs.

Über den ganzen Rumpf verteilt haben sich insgesamt ca. 90 Seepocken angesiedelt. 61 davon (69%) befinden sich an der Backbord-Seite. Das liegt vermutlich daran, dass alle Seeventile an der BB-Seite liegen. Die größte Häufung befand sich mit 16 Seepocken in einem kleinen Bereich um die 3 Seeventile des Waschraums herum (Ausgang Abfluss Waschbecken || Ansaugung Spülwasser Bortoilette || Ausgang Bordtoilette).

Der Zusammenhang mit den Seeventilen liegt wahrscheinlich daran, dass die Seepocken im inneren der Seeventile ungestört leben, da ich diese nicht mit Antifouling behandelt habe. Die freigesetzten Larven siedeln sich im angrenzenden Bereich des Unterwasserschiffs am häufigsten an. Das erklärt, warum bei der Spülung der Bordtoilette nachts winzige Partikel im Spülwasser hell aufleuchten. Es handelt sich um das Phänomen der Biolumineszenz, bei dem winzige Lebewesen durch die Wasserströmung angeregt Licht erzeugen.

Anbei das vollständige Video vom gesamten Unterwasserschiff

Beim POD-Antrieb zeigt sich ein gemischtes Bild.

Das Gehäuse des POD-Motors haben wir mit Antifoulingfolien beklebt und diese halten gut. Sie sehen aus, wie frisch geklebt.

Bei der kurzen Welle zwischen dem POD-Motor und dem Faltpropeller haben wir uns ebenfalls für Antifoulingfolien entschieden. Das war im Nachhinein betrachtet nicht die beste Wahl. Die Welle dreht mit maximal 1.500 Umdrehungen pro Minute, das bedeutet bei einem Durchmesser von 75mm eine Umfangsgeschwindigkeit von 11,5 Kn. an der Oberfläche. Zusätzlich wirken an der Oberfläche der Welle ein hydrodynamischer Unterdruck, Zentrifugalkraft und möglicherweise auch Kavitation. Alles in einem zu viel Belastung für die Klebekraft der Folien, deshalb wohl haben sie sich leider von der Welle gelöst. Die Welle ist jetzt blank.

Macht nichts. Ich werde die Welle über die Saison beobachten und ab und zu mal bei einem kurzen Tauchgang vom Bewuchs befreien.

Für den Faltpropeller haben wir das X7 Hempaguard Hydrogel verwendet, womit wir auch die Ränder der Folienbahnen versiegelt haben. Die Aufnahmen sind nicht sehr scharf, aber das X7 scheint nicht mehr intakt zu sein. Das werde ich ebenfalls weiter beobachten.

Die dauerhafte Beschichtung der Welle und des Propellers werde ich im nächsten Winter erneut angehen.

Same procedure as every year: Komplexer, dauert länger, ich beiße mich durch...

Anbei die Aufnahmen vom POD:

16. Mai, 2026, nach dem Rock & Roll.

6-7 Bft. Windstärke und steile Kabbelwelle… perfekte Bedingungen um 1 Stunde lang die Haftung der Seepocken auf den Antifoulingfolien bei 6-7 Kn. Fahrt durchs Wasser zu testen.

Ich habe gleichzeitig das Reffen bei Starkwind und Welle mit dem Ein-Leinen-Reffystem getestet.

Beide Vorhaben klappten ganz gut.

Zurück im Hafen bestätigen die Aufnahmen, dass im kritischen Bereich der 3 Seeventile nur 6 von 16 Pocken (38%) sich halten konnten. Der Rest wurde bereits nach der 1 Stunde Rock & Roll weggespült.

An der gesamten Backbord-Seite blieben nur 17 der 61 Seepocken (28%) haften.

Die SB-Seite habe ich aus Zeitgründen nicht gefilmt.

Anbei das Video des gesamten Unterwasserschiffs auf der BB-Seite, nach dem Rock & Roll:

31. Mai, 2026, nach dem Segeltörn

Ich war mit der WINDSONG eine gute Woche lang in der Dänischen Südsee unterwegs. Dabei haben wir insgesamt 236 Seemeilen zurückgelegt, unter wechselnden Bedingungen, typisch für unser Revier, mit Windstärken zwischen 0 und 6 Bft. und Geschwindigkeiten zwischen 0 und 8 Kn. (Surf in der Welle).

Ich habe das Unterwasserschiff sofort nach der Rückkehr gefilmt. Im kritischen Bereich um die Seeventile herum sind ganze drei (3) Pocken übrig geblieben! Das sind im Vergleich zu den 16 vor gut zwei Wochen nur noch 19%.

Leider war nur noch wenig Restlicht da, um das restliche Unterwasserschiff auszuwerten. Es sind aber auf jeden Fall kaum mehr Pocken zu erkennen.

Anbei das Video vom Bereich der Seeventile

Die Ergebnisse deuten auf eine erfreuliche Tendenz hin:

  • Es siedeln sich tatsächlich nur wenige Seepocken auf den Antifoulingfolien an.
  • Rund ein Drittel der angesiedelten Seepocken wird beim Segeln nach kurzer Zeit weggespült.
  • Von den übrig gebliebenen Seepocken wird wiederum die Hälfte nach einer Woche Segeltörn weggespült.

Das bestätigt die erwartete Wirksamkeit der Antifoulingfolien.

Diese halten den Bewuchs fern, ohne den Einsatz von umweltschädlichen Bioziden.